Reykjavík
-2°C
E

Schlamm, Regen und kein Ball (bv)

Ansichten

Bernhild Vögel's picture

1. August 2015, 9:00 h

Ich bin ein erklärter Fußballmuffel und habe noch nie ein Fußballspiel besucht. Da sieht man mindestens 90 Minuten lang Leute hinter einem Ball herrennen und wenn man Pech hat, verpasst man vor lauter Langeweile den Schuss ins Tor. Das Ganze ist umrahmt von Bierdunst und Geräuschen im ungesunden Dezibel-Bereich. Mit einem Wort: Nix für mich.

Sag niemals nie: Gleich mache ich mich auf ins “Stadion”, um die berühmte isländische Variante des ordinären Fußballs zu bewundern. Das Wetter ist dafür äußerst geeignet: Es regnet ausdauernd, die Lufttemperatur beträgt +5 °C.

Waschmittelwerbung (Werbeblock abgeschnitten) für Mýrarboltinn (Bæjarins Besta)

Umgibt den europäischen Fußball ein Sumpf aus Bestechung, Wettbetrug und Hysterie, so werden die Europameisterschaften im Tungudalur bei Ísafjörður gleich im Schlamm ausgetragen. Das ist ehrlicher Fußball, Mýrarboltinn genannt. Ich habe mich mit den Regeln vertraut gemacht. Es ist wie beim normalen Fußball: Der Ball muss irgendwie ins Tor, jedoch sind Spielfeld und Mannschaften etwas kleiner. Spielerinnen und Spieler müssen sich nicht umständlich einkaufen lassen, sondern spielen nach kurzer Registrierung und Aufwärmphase einfach mit. Die Spieldauer erscheint angemessen (“nicht zu lang und nicht zu kurz”), die gelbe Karte ist rosa, die rote Karte ist schwarz und entsprechend wurde das Strafregister modifiziert. Ich bin gespannt!

Grüner Rasen? Brauner Schlamm! Foto: Bernhild Vögel.

10:00 h

Zum Glück schaue ich noch einmal auf die Webpage mýrarboltinn.is.

Da steht nun schwarz auf weiß:

Í 12 ára sögu Mýrarboltans höfum við aldrei þurft að breyta dagskránni sem er náttúrulega fáránlegt. Zu Deutsch: In der zwölfjährigen Geschichte des Schlammballs gab es nie eine Programmänderung, was natürlich idiotisch ist.

Und so wurde der Fehler umgehend berichtigt und die Europameisterschaft auf den morgigen Sonntag verschoben. Im Schwimmbad der Nachbarstadt Bolungarvík werden dafür heute die Weltmeisterschaften im Risabolti (Riesenball) ausgetragen. Da ich genug vom Spielregellernen habe und meine Knipse nicht wasserdicht ist, bleibe ich lieber im Trockenen. Aber was mache ich jetzt mit dem angebrochenen Samstag, Ihr Weicheier?

Mýrarboltinn-Stege. Foto: Bernhild Vögel.

12:40 h

Der Regen hat aufgehört, ich breche auf ins Tungudalur. Es kann ja nicht schaden, den Schauplatz der morgigen Schlammschlacht schon mal vorab zu besichtigen. Auf der Straße ins Tal herrscht reger Verkehr. Das Polizeiauto und ein Bus kommen mir entgegen, da muss was los sein. Einige Freunde des Golfsports sind unterwegs mit ihren Karren, die ich von Weitem immer für Kinderwägen halte, und der Zeltplatz ist voll besetzt. Gleich dahinter haben die Veranstalter zwei Schlammfelder geschaffen, die zusätzlich beregnet werden, egal ob's regnet oder schneit.

Vorausschauendes Spielerverhalten. Foto: Bernhild Vögel.

Ich erspähe am Rande des rechten Schlammpools ein Trüppchen Menschen, die versuchen ein Versorgungszelt aufzuschlagen. In der Annahme, es handle sich um die Veranstalter, eile ich über schwankende Paletten auf sie zu. Doch hier ist die erste Mannschaft dabei, ihr Hauptquartier aufzuschlagen. Ich komme mit Arnar ins Gespräch, der hier mit seinem Sohn und anderen jungen Leuten vorausschauende Arbeit leistet. Er wird morgen das erste Mal mitspielen, im Männer-Team von Kerecis, einer Omega3-Schmiede (brandneue Fischhaut-Technologie) am Ort. Schon im Eingangsbereich des Kerecis-Gebäudes erfährt der Besucher, das hier zupackende Mitarbeiter zu Werke gehen. Sie sind selbstverständlich mein morgiger Favorit.

Gemälde im Kerecis-Gebäude. Foto: Bernhild Vögel.

14:00 h

Eine zweite Mannschaft entdecke ich im benachbarten Simonsgarður. Es handelt sich um das gemischte Team des Schwimmbades Sundhöll. Der eine Spieler sucht offensichtlich noch nach seinen Shorts, während seine Kollegin im weißen Bikini auf schneeweißer Haut antreten wird.

Mitglieder des Sundhöll-Teams. Foto: Bernhild Vögel.

Die beiden gestrengen Schiedsrichter, die sich am anderen Ende des kleinen Gartenparadieses aufhalten, standen für ein Interview leider nicht zur Verfügung.

Die Die Die Schiedsrichter stehen natürlich auf dem Siegerpodest. Foto: Bernhild Vögel.

Seien Sie gespannt, liebe Leser auf Bericht & Bilder von den morgigen Wettkämpfen!

Bernhild Vögel – [email protected]www.birdstage.net

Die in dieser Rubrik veröffentlichten Beiträge geben nicht zwangsläufig die Meinung der Redaktion oder des Herausgebers wieder.