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Jólakötturinn - die Weihnachtskatze

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Jólakötturinn - die Weihnachtskatze

Photo: Dagmar Trodler

Die jólasveinar sind ja ganz lustige Gesellen. Sie klauen Milch und Skyr, knallen mit Türen und legen freundlicherweise den braven Kindern Schokolade in den Schuh. Alles könnte hier in Island so friedlich sein – wenn da nicht die Weihnachtskatze wäre.

Die Weihnachtskatze – jólakötturinn – und ihr norwegischer Bruder, der Weihnachtsgeissbock, sind uns Deutschen glücklicherweise erspart worden, wir schlagen uns allenfalls mit Knecht Rupprecht herum. Der kommt natürlich aus dem Wald, aber wo die Weihnachtskatze herkommt, das wissen nicht einmal die Isländer so wirklich.

Sie gehört möglicherweise zu den heidnischen Weihnachtsgeistern aus längst vergangenen Tagen, wie sie überall in Europa verbreitet waren. Geister, die darauf achteten, dass der Mensch seine vorweihnachtlichen Arbeiten gewissenhaft erledigte. Nicht nur Kuchen backen und Hosen waschen, sondern auch Lebensmittel haltbar machen, Socken stricken und das Dach vor dem Winter abdichten.

Eine Katze, die im Stockfinsteren hervorragend sieht, sich lautlos anschleicht und ihre Beute mit spitzen Zähnen reisst, macht ein passendes Schreckgespenst im Volksglauben. Es gibt Vermutungen, dass die ersten Siedler, die sich in Island niederliessen und von den britischen Inseln kamen, die Geschichte vom menschenfressenden, gefährlichen Wintergeist mitgebracht hatten.

Beim adventlichen Beisammensein im alten Norwegen erschien ein Teilnehmer gerne als Weihnachtsbock verkleidet. Im Isländischen gibt es die Redewendung að fara í jólaköttin, in die Katze steigen – und man nimmt an (auch wenn es keine schriftlichen Quellen dafür gibt), dass im alten Island ein als Weihnachtskatze verkleideter Mensch in die Runde am Feuer kam. Dieser Brauch erinnert durchaus an schamanische Praktiken.

Geblieben aus dem Verkleidungsspiel ist die Redewendung, und die neuzeitliche Praktik, sich vor Weihnachten neu einzukleiden, weil einen sonst die Weihnachtskatze verschlingt. So jedenfalls formulierte der Dichter Jóhannes úr Kötlum, der mit seinem Gedicht über jólakötturinn massgeblich an der Festigung der jólasveinar und der bösen Katze im Volksglauben beteiligt war.

Hier klingt übrigens auch der alte Brauch nach, dem Arbeitsvolk vor Weihnachten neue Kleidung zu spendieren, als Lohn für gute Dienste. Faulpelze hingegen erhielten nichts. Und müssen sich seither fürchten, von der Weihnachtskatze gefressen zu werden.

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